Pro Denkbilder |
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![]() D I E R E S T A U R I E R U N G U N D K O N S E R V I E R U N G D E R
W A N D T A F E L Z E I C H N U N G E N V O N R U D O L F S T E I N E R Während seiner mehr als 6000 frei gehaltenen Vorträge hat Rudolf Steiner immer wieder die Tafel benutzt, mal, um einen Begriff, einen Namen oder eine Jahreszahl hervorzuheben, mal, um einen komplexen Sachverhalt aufzubauen oder zu entschlüsseln, oder auch nur, um einen Gedanken durch eine zeichnerische Geste wie zu beleben. Häufig wurden zunächst schlicht angelegte Skizzen im Laufe der Rede immer weiter ausgestaltet, sodass schließlich ein «imaginativ, farbig fließendes Gesamtbild» (Assja Turgenieff) entstand. Dass etwa 1100 solcher Tafel-Bilder erhalten geblieben sind, ist der Initiative einer Zuhörerin von Steiners Vorträgen, Emma Stolle, zu verdanken, auf deren Veranlassung hin man etwa ab 1916 damit begonnen hatte, die Tafeln mit schwarzem Papier zu bespannen. Vielfach standen dem Redner zwei oder gar drei auf diese Weise präparierte Tafeln zur Verfügung. War die Rede beendet, wurden die mit weißer oder farbiger Kreide ausgeführten Zeichnungen auf dem Papier fixiert, datiert und aufbewahrt. Seit der ersten Ausstellung außerhalb der Archivmauern in der Kölner Galerie Monika Sprüth im Sommer 1992 sind Steiners Tafelzeichnungen in vielen bedeutenden internationalen Kunstmuseen zu sehen. Es ist die geistige Präsenz der Tafelzeichnungen und die Unmittelbarkeit ihrer Bildwirkung, die diese späte Entdeckung Steiners für und durch die heutige Kunstwelt möglich machten. Akuter Handlungsbedarf Die Wandtafelzeichnungen befinden sich — größtenteils in Kartonröhren gelagert — im Rudolf Steiner Archiv in Dornach/Schweiz. Um den Erhalt dieses einzigartigen Kulturguts zu gewährleisten und die DenkBilder weiterhin in aller Welt ausstellen zu können, müssen die Zeichnungen dringend restauriert und ausstellungsgerecht konserviert werden, da durch den Alterungsprozess und die ungünstigen Lagerbedingungen zunehmende irreversible Schäden unvermeidlich sind. Bisher war dies aus Kostengründen erst bei wenigen DenkBildern möglich. Umsetzung des Projekts Organisation und Zeitrahmen der Restaurierung Die Rudolf Steiner Nachlassverwaltung beauftragte die Arbeitsgemeinschaft ARGE Bestandserhaltung Bern mit der Restaurierung und Konservierung der 1'160 DenkBilder. Zur ARGE gehören die Unternehmen Atelier Michael Rothe GmbH Bern, Studio Arte Flückiger AG Zürich und BELO Restaurierungsgeräte GmbH Steinen. Die Arbeiten beginnen am 1. Juli 2010. Die Umsetzung des Gesamtkonzepts soll in fünf Jahren erfolgen. Während der Projektdauer wird eine gleichmäßige Verteilung der Arbeitsaufgaben angestrebt. Finanzbedarf Der durchschnittliche Aufwand für die Restaurierung der DenkBilder liegt bei über 3'000 CHF je Arbeit, die zu erwartende Preissteigerung im Projektverlauf mit eingerechnet. Darin sind die Kosten für die alterungsbeständigen Materialien, die Lagerungssysteme sowie die Ausstellungstechnik mit der entsprechenden Logistik anteilig enthalten. Die Gesamtkosten für die Bearbeitung der Wandtafelzeichnungen liegt folglich bei 3,4 Mio. CHF, Teuerung und Reserve mit eingerechnet. Hinzu gerechnet werden müssen die Kosten des Fundraising und Vereins. Der Finanzbedarf verteilt auf fünf Jahre in CHF: 2010: 778’000 2011: 547’000 2013: 538’000 2014: 1,020 Mio. Finanzierung über Spenden an einen gemeinnützigen Verein Für das Fundraising, das Einwerben der Spenden und für die damit zusammenhängende internationale Kommunikation wurde ein gemeinnütziger Verein in der Schweiz gegründet: Pro DenkBilder. Dieser Verein arbeitet unabhängig vom Rudolf Steiner Archiv und von der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung. Der Verein gewährleistet eine umfassende Transparenz über den Eingang und die ordnungsgemäße Verwendung der gestifteten Gelder und steht in ständigem Kontakt mit den Stiftern, Gönnern und Geldgebern weltweit. Er informiert auf geeignete Weise über den aktuellen Projektverlauf. Jährlich wird eine Jahresrechnung vorgelegt, die von einem unabhängigen Treuhänder testiert wird. Der Vorstand des Vereins arbeitet ehrenamtlich. Die Kosten des Vereins für Fundraising, Kommunikation und Verwaltung dürfen acht Prozent der eingeworbenen Gelder nicht überschreiten. Die DenkBilder reisen als Kunstwerk rund um die Welt 1992 Köln Galerie Monika Sprüth Frankfurt Portikus 1993 München Städtische Galerie im Lenbachhaus Wien Albertina Bern Kunstmuseum Kassel Museum Fridericianum 1994 Prag Národni Galerie Stuttgart Württembergischer Kunstverein 1995 Hannover Kubus Venedig unter dem Patronat der Biennale Dresden Hochschule für Bildende Künste 1996 Berlin Kunstforum der Grundkreditbank Bochum Städtisches Museum Tokyo Museum of Contemporary Art Watari-Um 1997 Fukuoka Mitshubishi-Jisho Artium Osaka Kirin Plaza Berkeley Kalifornien, University Art Museum 1998 New York Peter Blum Gallery Ann Arbor Slusser Gallery University of Michigan 1999 Zürich Kunsthaus 2000 Buenos Aires, Museo Nacional de Bellas Artes Helsinki KIASMA, Museum of Contemporary Art 2002 Santiago de Chile Museo Nacional de Bellas Artes 2003 Oxford, Brookes University Edinburgh, College of Art Worpswede Galerie im Haus im Schluh 2004 Rom Museo Laboratorio di Arte Contemporanea 2005 Dubrovnik Umjetnicka Galerija, Museum of Modern Art 2007 Melbourne National Gallery of Victoria 2008-2009 Paris und München Centre Pompidou / Haus der Kunst «Traces du sacré» 2010 Wolfsburg, Kunstmuseum, «Rudolf Steiner – Die Alchemie des Alltags» und «Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart» (13. 5. - 3. 10. 2010) 2011 Stuttgart, Kunstmuseum, siehe Wolfsburg (5. 2. - 22. 5. 2011) 2012 Weil a. Rhein, Vitra Design Museum, siehe Wolfsburg, (Herbst 2011) Stimmen zu den Tafelzeichnungen Guido Magnaguagno, langjähriger Direktor Tinguely Museum Basel «Die Wandtafelzeichnungen sind ein noch unausgeschöpfter Fundus kreativen Denkens und Zeichnens, der wohl noch viele Künstler und hoffentlich ein wachsendes Kunstpublikum zu jenen ‹höheren Formen menschlicher Kreativität› anregen wird, die -- nach R. Steiner und J. Beuys -- Imagination, Inspiration und Intuition sind.» Thomas Wagner im Kunstmagazin Art, Juni 2010 «Aber ist die Kunst tatsächlich das geeignete Terrain, um Steiners Ideen einer „Geisteswissenschaft“ auf ihre Aktualität hin zu prüfen? Die Antwort ist verblüffend einfach: Die Kunst – das Denken in Formen und Farben – spielt bei Steiner eine zentrale Rolle. Denn, so Steiner, deren Formen sind nicht allein sinnlich gegeben, sie haben auch Teil an der geistigen Sphäre. Er geht davon aus, dass der Natur, die selbst eine Künstlerin ist, mit einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise so wenig beizukommen ist wie einem Kunstwerk mit einem gelehrten Kommentar. „Man muss“, so sagte Steiner, „aufhören in Ideen zu leben. Man muss anfangen, in Bildern selbst zu denken, um die Natur begreifen zu können, insbesondere das Höchste an der Natur, den physischen Menschen in seinen Formen“. » Markus Brüderlin, Direktor Kunstmuseum Wolfsburg «Die gegenseitige Annäherung der spirituell und ethisch codierten Ideenwelt von Rudolf Steiner und den in unserer Ausstellung versammelten Arbeiten zeitgenössischer Künstler birgt eine doppelte Chance: Einerseits öffnet sie der Gegenwartskunst eine ebenso vielseitiges wie universales Gedankengebäude, das den Menschen und seine Beziehung zur Natur und zum Kosmos in der Mittelpunkt stellt. Andererseits können die unabhängigen Strategien der Gegenwartskunst helfen, etliche Impulse Rudolf Steiners, die durch manch enge Auslegung mitunter erstarrt sind, auf unkonventionelle Weise freizulegen – gleichsam Steiner zu entsteinern.» Matthias Frehner, Neue Zürcher Zeitung «Steiners ‚Wandtafelbilder’, auf denen sich Schrift, Zeichen und figurative Kürzel szenisch verbinden, sind eine kleine Sensation.» Glen Helfand, San Francisco Bay Guardian «These bold images come across like abstract velvet paintings with high art echoes of Miró, Picasso, Basquiat, and various image-and-text-artists.» Joel Perron, The Daily Yomiuri, Tokyo «Viewed in retrospect, they seem uncannily like contemporary art in their emphasis on the present moment and the process of creation as well as in their skepticism of progress, analysis and specialization.» Günter Metken, Süddeutsche Zeitung «Vierzig dieser 100 × 150 cm messenden Blätter sind unter Glas, meist zu zweit übereinander, in Frankfurt zu sehen. Ein schwebend poetischer Kunstgenuss, der nicht selten an Cy Twombly denken lässt. Was der Portikus anpeilt ist der Dialog mit dem heutigen Kunstschaffen. Das Auftauchen dieser siebzig Jahre alten, doch ganz frischen und in sich stimmigen Denkbilder gehört vermutlich zu den Anstößen, deren unser orientierungslos gewordenes Fin de siècle bedarf.»
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Die Tafelzeichnungen von Rudolf Steiner
