Die Spuren der Schweiz in der deutschen Klassik und
Aufklärung dürfen nicht verschwinden
Beim Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar im September 2004 wurden auch viele wertvolle Bücher Schweizer Herkunft ein Raub der Flammen. Über 1100 kulturhistorisch bedeutende Bände, die durch Hitze, Feuer, Wasser und Russ schwer geschädigt wurden, warten auf die Restaurierung in ihrem Herkunftsland. Spender und Sponsoren in der Schweiz sollen die Finanzierung dieser Arbeiten übernehmen und dazu beitragen, dass das eidgenössische Geisteserbe in Weimar erhalten bleibt.
Nachdem am Abend des 2. September 2004 im Historischen Gebäude der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar ein verheerendes Feuer ausbrach, entwickelte sich der grösste Bibliotheksbrand in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Neben einem grossen Teil der historischen Bausubstanz und Werken der Bildenden Kunst wurden vor allem kulturgeschichtlich einmalige Buchbestände zerstört oder stark beschädigt.
 |
|
Von dieser Katastrophe wurden auch Werke des Schweizer Geisteslebens, vor allem des 18. Jahrhunderts, erfasst. Wertvolle und bedeutende Bücher, Bände und Ausgaben mit Schweizer Herkunft – als Helvetica bezeichnet – wurden entweder total zerstört oder unterschiedlich stark beschädigt.
|
«Diese Helvetica verdeutlichen die Spur der Schweiz in der deutschen Aufklärung und Klassik», wie es das Schweizer Bundesamt für Kultur ausdrückt. Diese Spur dürfe nicht verschwinden, denn in Weimar liege ein wichtiger Teil des Schweizer Gedächtnisses. – In einer ersten Reaktion spendeten 2004 die Tellspiele-Gesellschaft und die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft 53'000 CHF zum Wiederaufbau der Bibliothek.
Drei Schweizer Restaurierungsunternehmen mit anerkannten Spezialisten schlossen sich Ende 2007 zur Arbeitsgemeinschaft Helvetica zusammen, die mit der Klassik Stiftung Weimar / Herzogin Anna Amalia Bibliothek einen Kooperationsvertrag vereinbarten, in dem die Restaurierung der geschädigten Bestände eidgenössischer Herkunft geregelt wird. Die geschätzten Kosten für diese Arbeiten zwischen 2008 und 2015 liegen bei rund 2,7 Millionen CHF, Geld, das in der Schweiz eingeworben werden soll. «Es ist zu hoffen», so schreibt die Schweizerische Bibliophile Gesellschaft, «dass die finanziellen Mittel rasch zusammenkommen, damit das schweizerische Geisteserbe in Weimar weiterhin präsent bleibt.»
In Zürich / Bern wurde der Verein Pro Helvetica in Weimar gegründet, der Spender und Sponsoren anspricht und die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Unterstützt wird das Engagement durch den Schweizerischen Bundesrat, das Bundesamt für Kultur, die Deutsche Botschaft in Bern und die Schweizerische Botschaft in Berlin. Präsident des Vereins ist Dr. Rainer Diederichs, Vizepräsidentin Erica Benz-Steffen. Vorstandsmitglieder sind Hanspeter Gschwend und Michael Rothe von der ARGE Helvetica und Hans-Hinrich Dölle, der auch Geschäftsführer des Vereins ist.

Der Finanzbedarf der Restaurierungsarbeiten in der Schweiz
Weimar kann die Lasten der Restaurierung nicht alleine tragen: 20 Mio. Euro kostet die Restaurierung aller geschädigten Bücher – von heute bis 2015. Es müssen 47 Mio. Euro aufgebracht werden, um die gänzlich verbrannten Bücher wieder zu beschaffen. Bei diesem erhöhten Kostenaufwand sind die Bibliothek, die Klassik Stiftung Weimar und das Land Thüringen folglich auf Spenden und grosszügige Unterstützung angewiesen. Angesichts dieser Zahlen und der Tatsache, dass es sich um den Wiederaufbau eines Weltkulturerbes handelt, in dem die Schweiz ihren nicht unwesentlichen Platz hat, ist es verständlich, dass die Idee zur Restaurierung der Helvetica durch Schweizer Unternehmen aufkam.
Es geht um das eidgenössische Geisteserbe, um die Spuren der Schweiz in der deutschen Klassik und Aufklärung, die in Weimar erhalten und wieder zugänglich gemacht werden sollen. Der Schweiz ist es daher ein Anliegen, dass diese geschädigten Bücher so schnell wie möglich restauriert werden können.
2007: 130’000 CHF
2008: 205’000 CHF
2009: 400’000 CHF
2010: 490’000 CHF
2011: 536’000 CHF
2012: 475’000 CHF
2013: 475’000 CHF
Gesamtfinanzierungsbedarf: 2'711'000 CHF
In den Jahren 2008 und 2009 werden bzw. wurden insgesamt rund 310 Bücher mit Papp- und Konservierungseinbänden, 130 Bücher mit Ledereinbänden und 132 Bücher mit Pergamenteinbänden restauriert. Das sind Helvetica mit so genannten Wasser- und Hitzeschäden.
Dem Verein Pro Helvetica in Weimar gelang es, für diesen Teil der Restaurierungsarbeit über 800'000 CHF einzuwerben. Zu verdanken ist das mehreren grosszügigen Schweizer Spendern und Gönnern: Ernst Göhner Stiftung, Sophie und Carl Binding Stiftung, Bundesamt für Kultur, Avina Stiftung und Artephila Stiftung. In diesem Zusammenhang dankt der Verein auch den beiden Botschaften in Bern und Berlin für ihre Unterstützung.
Weitere Links zu diesem Thema:
www.anna-amalia-bibliothek.de
www.atelier-rothe.ch